Landesweite Umfrage 2015:
Überwiegend Zufriedenheit mit der
Behindertenhilfe in Baden-WĂŒrttemberg

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Angehörigenvertretungen fĂŒr Menschen mit geistiger Behinderung in Baden-WĂŒrttemberg e.V. (www.LAG-AVMB-BW.de) frug im FrĂŒhjahr 2015 nach der Zufriedenheit der Angehörigen und Betreuer mit der Behindertenhilfe. Mit 1720 Antworten sind die Ergebnisse reprĂ€sentativ. Vorgestellt wurden sie bei der 10. LAG-Landeskonferenz „Teilhabe in Baden-WĂŒrttemberg 2015“ am 17.10.2015 unter Anwesenheit des Landes-Behindertenbeauftragten Gerd Weimer.

Die grĂ¶ĂŸte SchwĂ€che der Behindertenhilfe in Baden-WĂŒrttemberg liegt in der Personalausstattung. Viele Menschen, die ihm Heim wohnen und in einer WfbM arbeiten, leiden unter dem Personalabbau, dem hĂ€ufigen Wechsel der Mitarbeiter und dem FachkrĂ€ftemangel. Besonders nach 20 Uhr und am Wochenende sind die Bewohner weitgehend sich selbst ĂŒberlassen.

Gerd Weimer, der Landes-Behindertenbeauftragte, sieht darin eine Folge der Kommunalisierung der Eingliederungshilfe und der Auflösung der LandeswohlfahrtsverbĂ€nde im Jahr 2005. Er empfahl den Angehörigen, sich in den Kommunen gegen diese Sparmaßnahmen zur Wehr zu setzen und darauf zu drĂ€ngen, dass LAG-Vertreter von der zustĂ€ndigen Vertragskommission gehört wĂŒrden. Bei ungerechter Behandlung können die betroffenen Angehörigen ihn gern direkt in seiner Funktion als Ombudsmann ansprechen.

Am Nachmittag schloss sich eine Diskussion mit vier Podiumsteilnehmern aus dem Landtag an: MdL Dr. Monika Stolz (CDU), MdL Jochen Haußmann (FDP), MdL Thomas Poreski (GrĂŒne) und Roland Klose (Mitarbeiter der SPD-Fraktion. Ohne politisches GezĂ€nk diskutierten sie lebhaft mit den Angehörigen und versprachen, ihre Sorgen ernst zu nehmen und an passender Stelle in die politische Arbeit einzubringen.

Die Ergebnisse der ReprÀsentativerhebung

Die zu Hause wohnenden Menschen mit Behinderung konnten bei dieser Umfrage nur insoweit berĂŒcksichtigt werden, als sie durch die Arbeit in einer WfbM oder den Besuch eines FuB (Förder- und Betreuungseinrichtung) erreichbar waren.

Die Betreuungsleistungen der Einrichtungen der Behindertenhilfe in Baden-WĂŒrttemberg stellen insgesamt fĂŒr die Eltern, Angehörigen und gesetzlichen Betreuer eine große Entlastung dar. Im Durchschnitt werden sowohl die Wohn- als auch die Tagesstruktureinrichtungen mit ihren WerkstĂ€tten fĂŒr behinderte Menschen (WfbM), den Förder- und Betreuungs-/ BeschĂ€ftigungsangeboten (FuB) und der Seniorenbetreuung mit 8 von 10 möglichen Punkten gut bewertet.

Abstriche gibt es bei der Gesamtbeurteilung der Betreuungsleistungen. Noch deutlicher zurĂŒck fĂ€llt die Bewertung der FachkrĂ€fte in der Behindertenarbeit: sie schneidet im Durchschnitt nur befriedigend ab.

Betrachtet man die Zufriedenheitsbewertungen mit der Betreuung nach den Wohnformen, dann kommen die bislang ĂŒblichen Wohnheime deutlich besser weg als das von Politik und KostentrĂ€gern favorisierte sogen. ambulant betreute Wohnen (abW).

Welche VerĂ€nderungen haben die letzten Jahre gebracht? Eine Mehrheit von 54 Prozent sagt, die Betreuungsleistungen seien „alles in allem gleich geblieben“ (gleich gut oder gleich schlecht?), wĂ€hrend 21 Prozent Verbesserungen und 24 Prozent Verschlechterungen festgestellt haben.

Der Umbau der Wohnheime mit den Zielen der Regionalisierung und Dezentralisierung der Behindertenarbeit hat in den Wohnheimen bereits deutliche Spuren hinterlassen. Dort nennen nur noch 49 Prozent die BetreuungsqualitĂ€t gleichbleibend, 20 Prozent sehen Verbesserungen, aber ihnen stehen 31 Prozent Verschlechterungen gegenĂŒber.

Die WerkstĂ€tten bemĂŒhen sich, mehr Menschen mit Behinderung (MmB) außerhalb der WfbM – möglichst im allgemeinen Arbeitsmarkt – unterzubringen. FĂŒr die Heimbewohner, die in der WfbM arbeiten, fĂŒhrt das zu einer Verschlechterung der Betreuung in der Werkstatt. Das betonen 30 Prozent der Angehörigen.

Wer ambulant betreut wohnt, erlebt dieses selbststĂ€ndigere Wohnen insgesamt eher positiv, auch wenn die ausgedĂŒnnten Betreuungszeiten fĂŒr viele eine klare Verschlechterung darstellen.

Ein trauriges Bild liefert die QualitĂ€t der Seniorenbetreuung, die mit der demografischen Entwicklung und einer stĂ€ndig wachsenden Zahl von Senioren mit Behinderung nicht zurecht zukommen scheint. Verschlechterungen haben hier in den letzten Jahren 38 Prozent der Befragten erlebt. Dabei liegen die QualitĂ€tsstandards in Baden-WĂŒrttemberg schon seit 2015 fest: in Gestalt der Einheitlichen PrĂŒfkriterien fĂŒr die Heimaufsicht des Landes Baden-WĂŒrttemberg fĂŒr Einrichtungen der Eingliederungshilfe des Sozialministeriums Baden-WĂŒrttemberg.

ErgÀnzung: Eingliederungshilfe im Bundesvergleich

Die die Bundesarbeitsgemeinschaft der ĂŒberörtlichen SozialhilfetrĂ€ger (BAGĂŒS) erhob 2013 bundesweit Kennzahlen zur Eingliederungshilfe der ĂŒberörtlichen TrĂ€ger der Sozialhilfe. In dieser Erhebung werden die wesentlichen Ergebnisse und Entwicklungen der Gebiete Wohnen und Arbeit/BeschĂ€ftigung fĂŒr das Jahr 2013 als Hochrechnungen auf Bundesebene dargestellt. Zusammenfassung:

  • Immer mehr Menschen sind beim Wohnen auf eine Betreuung durch die Eingliederungshilfe fĂŒr Menschen mit Behinderung angewiesen. Ende 2013 erhielten gut 375.000 Menschen eine ambulante oder stationĂ€re Betreuung, 15.300 mehr als noch ein Jahr zuvor, eine Steigerung um 4 Prozent.
  • Mehr als die HĂ€lfte von ihnen wurden 2013 immer noch stationĂ€r betreut (54 Prozent der erwachsenen Menschen mit Behinderung). Dieser Wert sinkt jedoch stetig. Bei den NeuzugĂ€ngen im Jahr 2013 bewilligten die SozialhilfetrĂ€ger neun von zehn Menschen eine ambulante Betreuung.
  • Das Durchschnittsalter von Menschen im stationĂ€r betreuten Wohnen steigt weiter an und betrĂ€gt nun 44 Jahre. Betreuungsleistungen mĂŒssen sich entsprechend den Bedarfen von zunehmend Ă€lter werdenden Menschen mit Behinderung anpassen.
  • Die SozialhilfetrĂ€ger gaben 2013 fĂŒr das stationĂ€r betreute Wohnen rund 8,5 Milliarden Euro (brutto inkl. soziale Grundsicherung und Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem SGB XII sowie tagesstrukturierenden Leistungen im StationĂ€ren Wohnen) und fĂŒr ambulant betreutes Wohnen 1,5 Milliarden Euro (netto ohne existenzsichernde Leistungen) aus.

Die Berichte zur 10. Landeskonferenz 2015:
Kurzbericht
Langfassung mit Anhang

 

Peter Scherer, Gerd Weimer
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Lako10-Saal-Foto
LaKo10 Praesentation-Cover
Parteienvertreter am Podium
Gerd Weimer, Anton Dietenmeier
Michael Buß eröffnete die gut besuchte
10. Landeskonferenz der LAG
Peter Scherer im GesprÀch mit dem Landes-Behindertenbeauftragten Gerd Weimer
Parteienvertreter auf dem Podium (v.l.n.r.): Thomas Poreski (GrĂŒne), Dr. Monika Stolz (CDU), Roland Klose (SPD), Jochen Haußmann (FDP)
Die PrĂ€sentation von Michael Buß (PDF)
Gerd Weimer und Anton Dietenmeier
Rund 80 Teilnehmer hatten sich zur 10. Landeskonferenz angemeldet
Eingliederungshilfe der ĂŒberörtlichen TrĂ€ger der Sozialhilfe - Kennzahlenvergleich; (BAGĂŒS 2013-280
Einheitliche PrĂŒfkriterien fĂŒr die Heimaufsicht des Landes Baden-WĂŒrttemberg fĂŒr Einrichtungen der Eingliederungshilfe-280
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Teilhabe in BaWü:
Die 10. LAG-Landeskonferenz 2015

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