Leben mit der Rente: Was machen Behinderte in und mit ihrem Ruhestand?

Mal unterstellt, dass auch Mitarbeiter einer WfbM eine nennenswerte Rente bekommen, wenn sie das Rentenalter erreicht haben: was machen Menschen mit geistiger Behinderung den ganzen Tag, wenn Ihnen die Lohnarbeit als tagesstrukturierende Sinnstiftung altersbedingt nicht mehr zu Verfügung steht? An dieser Frage scheitern ja schon viele Nichtbehinderte und fallen „im Ruhestand“ in ein tiefes Loch.

Angelika Kröger hat sich diesen Fragen gestellt: Älterwerden und das Leben im Ruhestand ist persönliches Thema der 57-Jährigen, die im Alltag Schrauben bei den Hagsfelder Werkstätten der Lebenshilfe Karlsruhe HWK in Storenacker verpackt. Seitdem sie im Sommer den Kurs „Älterwerden“ im begleitenden Angebot der HWK besuchte, beschäftigt sie sich damit, was Altwerden für sie bedeutet, welche Interessen sie hat, was sie lernen und was sie vielleicht verändern will. „Das hat mir sehr geholfen“, erzählt sie: Inzwischen ist sie aus dem Wohnheim aus- und in eine Dreier-WG umgezogen und hat mit ihrem Betreuer eine Patientenverfügung aufgesetzt.

Auch Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM) müssen sich mit der demografischen Entwicklung in Deutschland auseinandersetzen, mit der (Über-)Alterung unserer Gesellschaft: „Wir haben Bereiche“, sagt Monika Lennermann-Knobloch von den HWK, „in denen in den nächsten fünf Jahren jeder Zweite über 50 ist.“ Die HWK haben sich deshalb des Themas Ruhestandsgestaltung angenommen und in einem dreijährigen Projekt unter der Leitung von Lennermann-Knobloch Ansatzpunkte für eine individuelle Altersplanung in der Werkstatt entwickelt: Zentrales Instrument auch in „Altersfragen“ ist der persönliche Entwicklungsplan, den die Gruppenleiter mit jedem Beschäftigten besprechen und dabei Fragen mit ihm erörtern wie: Braucht er mehr Pausen oder spezielle Arbeitshilfen, eine andere Arbeit oder kürzere Arbeitszeiten?

Die HWK haben altersbegleitende Angebote in der Werkstatt geschaffen, flexible Teilzeitmodelle und morgendliche Ankommgruppen (etc.) aufgebaut und mit einer Leistungsvereinbarung mit der Stadt Karlsruhe eine ortsunabhängige variable Tagesstruktur (inklusive Fahrdiensten und therapeutischen Angeboten) ermöglicht: „Werkstatt muss sich öffnen, ein großes Netzwerk mit externen Partnern knüpfen, damit flexible und individuelle Lösungen gelingen.“ Die Zeitschrift KLARER KURS war vor Ort: den kompletten Artikel lesen Sie in der neuen Ausgabe.

Vor diesem Hintergrund hat die Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Sozialhilfeträger (BAGüS) 2013 eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die den Personenkreis, die Bedarfe und die Bedarfsdeckung sowie die erforderliche Sozialplanung beschrieb und eine Orientierungshilfe für die Sozialhilfeträger erarbeitete. Dies Leitlinien folgen dem Gedanken, dass auch Menschen mit Behinderungen im Alter nach Artikel 19 UN-BRK das Recht haben, mit gleichen Wahlmöglichkeiten wie andere Menschen in der Gemeinschaft zu leben, ihren Aufenthaltsort zu wählen und zu entscheiden, wo und mit wem sie leben wollen. Sie sind insbesondere nicht verpflichtet, in besonderen Wohnformen zu leben.

Tagesstrukturierende Angebote für behinderte Senioren mit unterschiedlichem Hilfebedarf: Handlungsansätze für die Stadt- und Landkreise

Der KVJS hat sich mit der Frage befasst, wie zeitgemäße Hilfestrukturen für Seniorinnen und Senioren mit Behinderung gestaltet sein müssten. Beteiligt waren daran Fachleute, die eine Einschätzung aus planerischer, leistungsrechtlicher medizinischer und Vergütungssicht vornahmen. Die Studie (Stand April 2015) finden Sie hier.

Hilfen und Unterstützung für Kinder und Jugendliche mit Behinderung nach sexualisierter Gewalt

Kinder und Jugendliche mit Behinderung benötigen, ebenso wie Angehörige und Fachkräfte im Umfeld der Betroffenen, Unterstützung und Beratung nach sexualisierter Gewalt. Die Diskrepanz zwischen Bedarf und bisher erfahrener Unterstützungsleistung soll durch das von der Aktion Mensch geförderte Projekt "Hilfen und Unterstützung für Kinder und Jugendliche mit Behinderung nach sexualisierter Gewalt" (2015-2018) behoben werden. Als Fachkraft können Sie sich an KOBRA wenden,

  • wenn Sie von sexuellen Übergriffen an einem Kind erfahren
  • wenn Sie sich unsicher sind, ob ein Kind sexuellen Übergriffen ausgesetzt war
  • wenn Sie wissen möchten, wie Sie im Alltag stärkend und präventiv mit den Kindern arbeiten können
  • wenn Sie Hilfen für das Kind oder die Angehörigen vermitteln möchten.

KOBRA e.V. Hölderlinstr. 20, 70174 Stuttgart, Tel.: 0711/162 97-0 Fax: 0711/16 97-17, eMail: beratungsstelle@kobra-ev.de

Zum Thema “Sexuelle Gewalt” gab es auf dem Landesinklusionstag 2015 in Stuttgart eine interessante Präsentation von Tabea Konrad vom “Fetz Frauenberatungs- und Therapiezentrum Stuttgart e.V.”

Beachten Sie dazu bitte auch diese Meldung.

mitMenschPreis: Mehr Teilhabe für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf

Zum vierten Mal schreibt der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e.V. BeB den mitMenschPreis aus. Mit diesem Preis werden Projekte und Initiativen aus „Behindertenhilfe“ oder Sozialpsychiatrie gesucht, die Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf mehr selbstbestimmte Teilhabe ermöglichen. Bewerbungsschluss ist der 31. März 2016.

 

Mädchen in Abwehrhaltung
Logo Mitmenschpreis
Klarer_Kurs-2015-04-280
Menschen mit Behinderung im Alter - Orientierungshilfe; (BAGÜS 2013)-280
KVJSHandlungsansätze-Senioren; (KVJS 2015)-280
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